Diese Aussage eines Zuhörers war der „krönende“ Höhepunkt der gestrigen Podiumsdiskussion bei der IG-Metall Freudenstadt in Glatten. Streng genommen kann mir der Satz ja egal sein, denn diese Aussage trifft die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder.

Trotzdem war ich einigermaßen verblüfft, dass die gesamte anwesende Riege der IG-Metall-Funktionäre diese Hetz-Aussage zustimmend beklatschten. Bin ich zu naiv, weil ich eigentlich von den Organisatioren erwartet hätte, eine solche Aussage mäßigend zu kommentieren?

Für mich ist es eine grundlegende liberale Überzeugung, dass ich andere politische Ansichten – sofern sie von Demokraten stammen –  zwar nicht teilen muss, sie aber meinen Respekt verdienen.

Ich respektiere die Ansicht der IG-Metall,

  • dass Zeitarbeit die Arbeitskraft von Menschen ausbeutet,
  • dass Zeitarbeitnehmer „Arbeiter zweiter Klasse“ sind,
  • dass das Instrument der Zeitarbeit wieder abgeschafft werden muss.

Nach meiner Überzeugung ist die Zeitarbeit aber ein möglicher Weg, um Menschen aus der für sie verheerenden Arbeitslosigkeit herauszuholen:

  • Zeitarbeit ist für viele Menschen der Einstieg in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Die meisten Zeitarbeitnehmer waren zuvor nicht oder noch nie beschäftigt (61 bzw. 11,4 Prozent).
  • Zeitarbeit ist eine Chance, gerade auch für Geringqualifizierte, einen Arbeitsplatz zu finden (32,2 Prozent der Zeitarbeitnehmer haben keine abgeschlossene Berufsausbildung).
  • Einen massenhaften Einsatz von Zeitarbeit gibt es nicht (Nur 3 Prozent aller Unternehmen setzen Zeitarbeiter ein).
  • Einen massenhaften Abbau von Stammbelegschaften durch die Zeitarbeit gibt es nicht (98 Prozent der Unternehmen haben während des Einsatzes von Zeitarbeitern keine Stellen gestrichen).
  • Zeitarbeit ist für viele eine Chance zum Sprung in den Arbeitsmarkt. (Bis zu 25 Prozent finden danach einen Job außerhalb der Zeitarbeit im entliehenen Unternehmen (Klebeeffekt), bis zu 20 Prozent in einem anderen Unternehmen außerhalb der Zeitarbeit (Brückeneffekt).
  • Viele Unternehmen sind auf Zeitarbeit angewiesen, um Auftragsspitzen zu bewerkstelligen und um Konjunkturdellen abzufedern. Damit schützt Zeitarbeit auch die Stammbelegschaft.

Am Ende der Veranstaltung habe ich mich noch mit einem Betriebsrat unterhalten, der sich in der Diskussion nicht gemeldet hatte. Er hat mir gesagt:  „Bei uns im Betrieb wollen die Zeitarbeiter gar keinen festen Vertrag, weil sie dann nämlich weniger verdienen würden.“ Und weiter: „Wir könnten ohne zusätzliche Zeitarbeiter gerade einen Großauftrag gar nicht annehmen und bearbeiten.“

Schade, dass er das nur mir erzählt hat…