„Dr. Beatrix und Jürgen Oberle im Austausch mit Dr. Timm Kern (FDP)“

  • Flächendeckende medizinische Versorgung ist unverzichtbarer Bestandteil eines attraktiven ländlichen Raumes
  • FDP-Landtagsabgeordneter bespricht in der Eutinger Arztpraxis Bürokratieabbau als Attraktivitätssteigerung des Berufs
  • Ärztemangel muss durch mehr Medizinstudienplätze entgegengewirkt werden

Eine flächendeckende medizinische Versorgung entscheidet wesentlich darüber, ob der ländliche Raum auch in Zukunft attraktiv sein wird. Dass der Landkreis Freudenstadt vor massiven Herausforderungen steht, ist angesichts von Praxisschließungen und Ärztemangel vielerorts spürbar. Deshalb sprach der FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Timm Kern mit den Ärzten Beatrix und Jürgen Oberle in deren Eutinger Praxis.

Die seit 25 Jahren tätigen Allgemeinmediziner verfügen durch ihre Kooperation als Lehrpraxis der Uniklinik Tübingen über Lösungsansätze, die für den ländlichen Raum in Zukunft entscheidend sein werden. Tübinger Studenten sammeln in Eutingen Praxiserfahrungen und werden an die tägliche Arbeit des Hausarztes herangeführt. „Viele Mediziner sind begeistert von dem breiten Spektrum an medizinischen Feldern wie beispielsweise Akupunktur oder Kinderheilkunde. Sie lernen bei uns praktisch, was sie an der Uni theoretisch erfahren“, erläutert Dr. Beatrix Oberle.

Das große Problem beschrieb Dr. Jürgen Oberle im fehlenden Nachwuchs an Medizinern. Seit einiger Zeit können die Ärzte nur noch Einwohner der Gemeinde Eutingen aufnehmen. Wenn Arztpraxen in der Umgebung schließen, führt dies zu sehr schwierigen Situationen, da die Patienten dann mitunter ohne Hausarzt sind. Gründe für den Ärztemangel sieht er in einer zu geringen Zahl an Medizinstudienplätzen oder der Abwanderung von Medizinern. Viele Ärzte arbeiten in der Schweiz oder Großbritannien, da sie dort höhere Gehälter und ein weniger komplexes Gesundheitssystem haben als in Deutschland. Dr. Jürgen Oberle kritisierte die bürokratischen Auflagen: „Wir sind eingekreist worden, was die Bürokratie angeht. 30 % unserer Arbeitszeit sind bürokratische Aufgaben und das macht den Beruf unattraktiv.“ Der Arzt forderte eine Attraktivitätssteigerung der ärztlichen, freiberuflichen

Tätigkeit durch einen deutlichen Bürokratieabbau sowie die Förderung der Selektivverträge für Haus und Fachärzte. Die Ärzte richteten die Forderung an den Landtagsabgeordneten Dr. Timm Kern, mehr Medizinstudienplätze zur Verfügung zu stellen. Diesem Vorschlag stand der FDP-Bildungspolitiker offen gegenüber und er setzt sich für eine Finanzierung aller Studienplätze durch nachlaufende Studiengebühren ein. „Die jungen Menschen sollen nicht während, sondern erst nach erfolgreichem Abschluss ihres Studiums einen finanziellen Anteil ihrer Einkommenssteuer zurückzahlen, um mehr Qualität und mehr Studienplätze zur Verfügung zu stellen.“, so der FDP-Landtagsabgeordnete.

Die Eutinger Ärzte schätzen die Selbstständigkeit ihres Berufs und die kleinen Strukturen auf dem Land. Durch die ganzheitliche Medizin auf dem Land entsteht ein enges Patienten-Arzt-Verhältnis. Aktuell versorgen die Eutinger Hausärzte mit viel Engagement auch die Flüchtlinge in der Gemeinde. Lobende Worte fanden sie für die Verwaltung und den Gemeinderat: „Wir spüren, dass sie hinter uns stehen.“

Für die Zukunft sehen sich die Eutinger Hausärzte gut gerüstet. Beatrix und Jürgen Oberle haben ein Netzwerk aufgebaut, sie suchen aktiv nach Nachwuchs und werben für den Beruf des Hausarztes. Eine wichtige politische Unterstützung sehen sie in der Förderung von fachgleichen und fachübergreifenden MVZ`s und Ärztenetzen, um den drohenden Aufkauf von ambulanten Arztsitzen durch Konzerne wie Fresenius, Sana, Helios oder Krankenhäuser zu verhindern. Dr. Jürgen Oberle: „Somit würde verhindert, dass Humanmedizin ausschließlich nach ökonomischen Gesichtspunkten und nicht unter medizinischen, humanen Gesichtspunkten betrieben würde.“ Von der Politik erwarten sie, dass jungen Menschen, die „am und mit den Patienten arbeiten wollen“, in Deutschland auch die Studienmöglichkeiten erhalten.