Im Interview mit Frau Dr. Margarete Rebholz

Dr. Margarete Rebholz hat zusammen mit ihrem Mann seit über zwanzig Jahren eine Frauenarztpraxis in Horb am Neckar. Seit 2009 sitzt sie für die FD/FW-Fraktion im Horber Gemeinderat und seit der vergangenen Kommunalwahl vertritt sie die Freien Demokraten auch im Kreistag. Bei der Landtagswahl 2016 wird sie für den Kreis Freudenstadt als Zweitkandidatin der Freien Demokraten antreten.

rebholz

Was motiviert Sie, sich politisch zu engagieren?
Das Geschehen in der Politik, sowohl landesweit als auch auf lokaler Ebene hat mich schon seit meiner Jugendzeit interessiert. Durch einen beruflich recht fordernden Lebensentwurf war es mir bis vor einigen Jahren nicht möglich, eigenes politisches Engagement zu entwickeln. Beim Schritt in die aktive politische Tätigkeit hat mir unser Landesvorsitzender und Europaabgeordneter Michael Theurer entscheidende Impulse gegeben. Wichtig ist mir hierbei, durch ehrenamtliche Tätigkeit in der Kommunalpolitik der Gesellschaft etwas zurückzugeben, denn ich bin dankbar für die Chancen, die sich mir in unserem Land dargeboten haben.

Warum engagieren Sie sich ausgerechnet für die Freien Demokraten?
Die Menschen in unserer Gesellschaft zur Eigenverantwortung stark machen und Ihnen dadurch das Gefühl zu geben, ein wertvoller Bestandteil der Gesellschaft zu sein ist zentrale FDP-Politik. Die FDP war und ist immer ein wichtiges Regulativ in Koalitionen gewesen und hat ausgezeichnete Politiker und Staatsmänner hervorgebracht. Die Verteidigung der Freiheit des Einzelnen, der Bevormundung und Überregulierung entgegenzuwirken ohne die Schwächsten in unserer Gesellschaft an den Rand zu drängen sind Kernanliegen der FDP und entsprechen meinen Überzeugungen. Es ist meine tiefste innere Überzeugung, dass wir eine starke europäische Gemeinschaft brauchen. Auch wenn Europa sich derzeit in schwierigem Fahrwasser befindet lohnt sich der Einsatz für die europäische Idee.
In der Landespolitik sehe ich wichtige Aufgaben der FDP in der Bildungspolitik, vor allem in der Erhaltung der Gymnasien, Realschulen und der beruflichen Schulen. Die Schaffung eines innovationsfreundlichen Klimas, die Förderung von Unternehmensgründungen und Ideen sehe ich bei der FDP am besten aufgehoben.
Von meinem Beruf her und in der Gremienarbeit bin ich sehr stark mit den vielfältigen Problemen des Gesundheitswesens konfrontiert. Das Gesundheitswesen wird zunehmend staatlich gesteuert und auch für die FDP ist dies ein extrem schwieriges Handlungsfeld die FDP.
Im persönlichen beruflichen Umfeld sehe ich den Erhalt der Freien Berufe bei der FDP am besten aufgehoben.

Welche Themen sind Ihnen im Kreis Freudenstadt besonders wichtig?
Die großen Probleme des Landkreises sehe ich im Einwohnverlust, der mangelhaften Verkehrsanbindung an die A81 und zunehmender Ausdünnung der ambulanten medizinischen Versorgung. Eine hervorragende Verkehrs-Infrastruktur zur Ansiedelung von Gewerbe und Schaffung von Arbeitsplätzen und damit Einwohnerzuzug ist ein überaus wichtiges politisches Thema. Der Wirtschaftszweig Tourismus profitiert hiervon gleichermaßen.
Nur mit attraktiven Arbeitsplätzen, sowie einer Infrastruktur, die den Ansprüchen der jüngeren Generation dient, können junge Menschen und Familien für ein Leben im Landkreis gewonnen werden. Die Lebensqualität in schöner Landschaft ist selbstredend.
Für die stationäre Versorgung stehen Investitions-Entscheidungen mit großer finanzieller Tragweite an. Hier muss ein medizinisch, wie betriebswirtschaftlich sinnvolles Konzept erarbeitet werden, das die Zukunft der Krankenhäuser des Landkreises Freudenstadt sichert. Zum Erhalt der ambulanten Versorgung durch niedergelassene Allgemein- und Fachärzte sind bereits einzelne Beschlüsse erfasst und neue Wege zur Gewinnung von Ärzten werden überlegt und befinden sich teilweise schon in der Umsetzung.
Die Bildungslandschaft im Landkreis Freudenstadt hat durch die Duale Hochschule Baden-Württemberg ein wichtiges Standbein im Bereich der Hochschulbildung. Dieser Weg ist weiter zu beschreiten.

Sie sind Mutter zweier Kinder, haben eine eigenen Frauenarztpraxis und engagieren sich sowohl im Gemeinderat in Horb als auch im Kreistag in Freudenstadt. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?
Wenn ich ehrlich bin, ist es nicht immer ganz einfach, vor allem, wenn ein Termin den anderen jagt. Die Kinder sind schon eigenständig, sonst würde mir kaum Freiraum für politische Aktivität bleiben. Im Beruf haben wir einiges umorganisiert, so fange ich z. B. morgens schon früher an, um Nachmittags-Sitzungszeiten aufzufangen. Mein Mann unterstützt mich dabei in hervorragender Weise, sonst wäre dies nicht zu leisten.

Im Freudenstädter Kreistag gibt es leider immer noch sehr wenige Frauen. Bis zur letzten Wahl war unser Landkreis sogar bundesdeutsches Schlusslicht bei der Anzahl der weiblichen Kreisräte. Warum braucht es Ihrer Meinung nach mehr Frauen in den kommunalen Gremien im Kreis Freudenstadt?
Frauen stellen ca. 50 Prozent der Bevölkerung dar und es sollte deshalb selbstverständlich sein, dass sie entsprechend repräsentiert sind und in die Entscheidungen genauso eingebunden sind wie es bei Männern selbstverständlich ist. Ich rede Frauen-Quoten keinesfalls das Wort. Das Bewusstsein muss bei den Frauen selbst vorhanden sein um ihre eigenen Interessen voranzubringen. Ich nehme hier immer gerne das Beispiel, dass das Wahlreicht auch von den Frauen selbst erstritten werden musste. Bewusstseinsbildung muss jedoch durch alle gesellschaftlichen Schichten gehen und die Möglichkeiten für Frauen, sich politisch zu betätigen können noch bei weitem verbessert werden. Häufig hängt es immer noch an den Schwierigkeiten Familie und Politik zu vereinbaren. Mein Motto ist jedoch: selbst ist die Frau/sind die Frauen und sie sollten zusammenstehen!

Was würden Sie Frauen raten, die sich überlegen, sich in der Politik einzubringen?
Überwindung, in der Öffentlichkeit in Erscheinung zu treten, wenn man noch keine Erfahrung hat. Als Frau kann man sich immer wieder vor Augen halten, dass es Männern überhaupt nicht anders geht. Wahrscheinlich sind Männer aber eher von sich selbst überzeugt. Wichtig ist, das was man selbst für richtig erachtet konsequent zu vertreten, dadurch entsteht Authentizität. Den Frauen rufe ich deshalb zu: „nur Mut“.

Bei den letzten beiden Landtagswahl in Hamburg und Bremen haben die Freien Demokraten jeweils eine Spitzenkandidatin ins Rennen geschickt. Sowohl Katja Suding als auch Lenke Steiner mussten sich dabei dem Vorwurf stellen, nur wegen ihres Aussehens gewählt worden zu sein. Dabei beweisen Umfragen, dass gerade die Freien Demokraten hauptsächlich wegen ihrer sachlichen Themen und Ziele gewählt wurden. Welchen Herausforderungen müssen Sie sich als Frau in der Kommunalpolitik stellen? Gibt es auch Vorteile?
Bisher hatte ich nicht den Eindruck, als Frau von härteren Auseinandersetzungen verschont zu bleiben, was jedoch immer auf der sachlichen Ebene blieb. Ein respektvoller Umgang zwischen den Geschlechtern war bisher immer Usus in den Gremien, in denen ich mitarbeite. Hier ist sicher auch ein Unterschied zur Landes/Bundespolitik, wo von der Presse manches auch anders dargestellt bzw. in Klischees gepresst wird. Die Parteipolitik spielt zwar in den lokalen Gremien auch eine Rolle, ist jedoch nicht so zugespitzt wie bei Landtags- und Bundestagswahlen. Ein Vorteil der Frauen ist, dass in den Gremien über Parteigrenzen hinweg noch Kommunikation besteht auch wenn bei weitem nicht immer Einigkeit herrscht.

In ihrer Freizeit sind Sie unter anderem als Jägerin aktiv. Grün-Rot hat vor kurzem eine Jagdreform beschlossen, die von sehr heftigen Protesten von Seiten der Jägerschaft begleitet wurde. Wie stehen Sie zu den Vorhaben der grün-roten Landesregierung?
Die Reform ist nunmehr gültiges Gesetz geworden. Hier muss ich konstatieren, dass die Landesregierung ihrem Klientel aus verschiedenen Naturschutzverbänden sehr großen Einfluss auf die Gesetzgebung zugestanden hat, was naturgemäß zu Verwerfungen in der Jagdgesetzgebung führt. Vergessen wurde, dass Jäger anerkannte Naturschützer und der Hege des Wildes verpflichtet sind, jetzt aber zunehmend die Eigenverantwortung für das Wild entzogen bekommen, begleitet von neuen bürokratischen Maßnahmen. Die Motivation, eine Jagd zu pachten wird durch solch ein Gesetz nicht gerade gestärkt. Natur- und Tierschutz ist ein hoher Wert, ich frage mich jedoch, ob dieses Gesetz ein Einstieg zum Ausstieg aus der Jagd ist. Die Landesregierung muss jedoch der regulativen Wirkung der Jagd auf die Wildbestände ihren Raum zugestehen, was zu den Zielen der Natur- und Tierschützer eher im Widerspruch steht. Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen ist die Wirkung einer derartigen Gesetzgebung auf das Eigentum an Grund und Boden. Die Eigentumsrechte werden immer weiter eingeschränkt.

Gibt es ein Vorbild in Ihrem Leben oder eine Person, die Sie inspiriert hat, sich zu engagieren und einzusetzen?
Ich habe keine einzelnen Menschen als Vorbilder, aber es gibt Menschen, die ich deshalb bewundere, weil sie für ihre Überzeugungen teilweise mit ihrem Leben bezahlt haben, z. B. die Geschwister Scholl Graf von Stauffenberg, Dietrich Bonhoeffer. Ich habe mich oft gefragt, ob ich in entsprechender Situation dasselbe Standvermögen hätte. Genauso sind für mich die Menschen in meiner Umgebung Vorbilder, die das Ehrenamt tragen, z. B. im Synagogen-Verein Frau Staudacher und Herr Högerle, die „grünen Damen in den Krankenhäusern“, ich kann sie nicht alle aufzählen. Sie motivieren mich immer wieder, selbst dabei zu bleiben.

Mit welcher Person würden Sie gerne einmal für ein Monat oder ein Jahr tauschen?
Das ist die schwierigste Frage. Mit den prominenten Personen in der Öffentlichkeit möchte ich nicht tauschen, denn ich bin mit meinem Leben so wie es ist ganz zufrieden. Allerdings hat mich vor kurzem eine schwäbisch-hällische Diakonisse mit ihrer Überzeugung und Ausstrahlung tief beeindruckt, so dass ich mir vorstellen könnte wenigstens für 4 Wochen mit ihr zu tauschen.

Über Dr. Margarete Rebholz

  • Seit 2009 Gemeinderätin in der FD/FW-Fraktion der Stadt Horb a.N.
  • Seit 2014 FDP-Kreisrätin im Landkreis Freudenstadt
  • 2015 Wahl zur Ersatzbewerberin der FDP für die Landtagswahl im Wahlkreis Freudenstadt

Familie und Beruf

  • Verheiratet mit Dr. med. Rudolf Rebholz, 2 Kinder, Wohnort Horb a.N.
  • 1984 Approbation zur Ärztin und Promotion
  • 1990 Facharztanerkennung im Fach Gynäkologie und Geburtshilfe
  • Seit 1990 fachärztliche Tätigkeit in Gemeinschaftspraxis mit Dr. med. Rudolf Rebholz in Horb a.N.
  • Bis 2005 Belegarzttätigkeit am Hospital z. Heiligen Geist, Horb a.N.