Eine politische Diskussionsrunde stand neulich auf dem Stundenplan der Jahrgangsstufe 1 in der Luise-Büchner-Schule Freudenstadt. Der Landtagsabgeordnete Dr. Timm Kern (FDP) kam auf Einladung der Kunstlehrerin Anke Menze in die berufliche Schule, deren Klasse im Juli bei der Aktion „Kunst am Bauzaun“ im Stuttgarter Landtag teilgenommen und dabei auch den Landtag in seinem Ausweichquartier besucht hat. Die Schüler verwandelten die grauen Bauzäune in Kunstwerke mit einer weltbekannten Marke aus der Region: Der Schwarzwälder Kirschtorte. Die 33 Schüler zeichneten sich durch detaillierte Fragestellungen aus, die sie im Gemeinschaftskundeunterricht mit ihrem Lehrer Christoph Herrmann erarbeitet haben. „Bevor ich in den Landtag gewählt wurde“, so Dr. Timm Kern zu Beginn, „habe ich mit viel Freude als Gymnasiallehrer gearbeitet. Mit Euch an meinem vorherigen Arbeitsplatz diskutieren zu dürfen, ist mir eine große Freude.“ Die gute Atmosphäre und das große Interesse der Schüler spiegelten sich im zweistündigen Austausch wieder. Besonders die Gefahr rechtsextremer Parteien und die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit standen in den Fragen im Mittelpunkt. In seinen Antworten war es dem liberalen Abgeordneten wichtig, verschiedene Argumente kritisch zu hinterfragen und auf komplexe Fragen nicht mit populistischen Parolen zu reagieren. „Manche Politiker spielen mit den Ängsten der Menschen und suchen Sündenböcke für schwierige Probleme. Merkt Euch aber, dass Angst kein guter Ratgeber ist. Die Welt ist nicht schwarz-weiß, sondern bunt.“

Eine große Verwunderung war den Schülerinnen und Schülern ins Gesicht geschrieben, als der liberale Bildungspolitiker über „Big Data“, die unbegrenzte Sammlung und Auswertung personenbezogener Daten, sprach. Besonders einige Unternehmen aus den USA können heute schon durch das Analysieren von Kaufentscheidungen im Internet und den Inhalten aus sozialen Netzwerken ein detailliertes Persönlichkeitsprofil jedes Einzelnen zeichnen. Kern ermahnte die jungen Menschen gerade deshalb, mit persönlichen Inhalten und dem Verbreiten dieser Daten sensibel umzugehen. „Eine liberale Demokratie muss für jeden Einzelnen einen Raum der Privatsphäre schaffen.“

Auf die Frage einer Schülerin, wie junge Menschen sich politisch einbringen können, plädierte der jugendpolitische Sprecher der FDP-Fraktion dafür, sich beispielsweise in Vereinen, Jugendgemeinderäten oder Parteien zu engagieren. „Nutzt diese vielfältigen Chancen, unsere Gesellschaft mitzugestalten.“ Nach der intensiven Diskussion gab es eine unter der Anleitung von Fachlehrer Herbert Hug von Schülern der 2BFPE selbst hergestellte Schwarzwälder Kirschtorte.