Aus der Not heraus überlässt Landesregierung die Ausgestaltung der Lehramtsstudiengänge denen, die sich auskennen, den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen

In einer Landtagsdebatte über das Thema „Baden-Württemberg braucht weiterhin eine erstklassige Lehrerausbildung“  sagte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Dr. Timm Kern:

„Der Antrag der CDU-Fraktion ermöglicht uns eine kleine Zeitreise zurück, dorthin, als die grün-rote Koalition die Lehrerbildung als die entscheidende Stellschraube zum Erreichen ihrer bildungspolitischen Ziele ansah. Man muss nur den „Einheitslehrer“ ausbilden, so dachten die Koalitionäre, dann gebe es von einem Einheitsschulsystem kein Zurück mehr. Dass es nicht so kam, ist in erster Linie denjenigen zu verdanken, denen die Bildung unserer Kinder anvertraut ist, den Lehrerinnen und Lehrern in unserem Land. Sie haben mit ihren Verbänden nicht nur anhaltenden Widerstand geleistet, sondern Ihnen von Grün-Rot hoffentlich auch klarmachen können, dass Bildungspolitik den Menschen zu dienen hat, der Entwicklung und dem Fortkommen jedes Einzelnen, und nicht umgekehrt die Menschen durch Bildungspolitik in den Dienst eines utopisch grünen Weltbilds gestellt werden dürfen.

Am Beispiel der Lehrerbildung wird mit am augenfälligsten, dass die Bildungspolitik der Koalition in allererster Linie eine grüne Bildungspolitik ist: Während die Lehrerbildung zu Zeiten der christlich-liberalen Landesregierung eine Gemeinschaftsaufgabe von Kultus- und Wissenschaftsministerium war, haben sich die Machtgewichte mit Grün-Rot vollständig verschoben. Da sie die strategische Bedeutung der Lehrerbildung zu erkennen glaubte, riss die grüne Wissenschaftsministerin das Thema an sich und verkündete massiven Änderungsbedarf einschließlich der Besoldung der Lehrerinnen und Lehrer. Ungeachtet der Tatsache, dass die SPD-Kultusministerin die noch von der Vorgängerregierung ausgehandelten Landeslehrerprüfungsordnungen unterzeichnet hatte, wurde eine Expertenkommission unter Vorsitz einer Grünen, der ehemaligen Berliner Bildungssenatorin Volkholz, einberufen.

Schlimm war auch, dass kein einziger baden-württembergischer Praktiker beziehungsweise Praktikerin mit Stimmrecht der Kommission angehörte. Dies war aber auch wiederum in sich logisch, denn so ein über jede Niederung des Schulalltags erhabenes Gedankenkonstrukt wie den „Einheitslehrer auf Gymnasialniveau“ hätte es dann sicherlich nie gegeben.

 

Schließlich muss es den Sozialdemokraten aber gedämmert haben, dass es auf Dauer mit diesem Lehrerbildungswolkenkuckucksheim nicht gutgehen würde. Mangels eigener Orientierung im Bereich der Lehrerbildung zwangen sie deshalb die Grünen wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren, zu den christlich-liberalen Landeslehrerprüfungsordnungen.

Das eigentliche Motto der grün-roten Lehrerbildungsreform lautet deshalb: ‚Zurück auf Los!‘  Vielleicht hatte sich zwischenzeitlich auch herumgesprochen, dass diese aktuell gültigen Prüfungsordnungen einen sehr geeigneten Rahmen für eine Weiterentwicklung unseres baden-württembergischen  Schulwesens bilden, zumindest für eine differenzierte Weiterentwicklung: ein Studiengang Grundschullehramt – übrigens auch schon mit acht Semestern Regelstudienzeit -, ein Studiengang Haupt-/Werkreal- und Realschullehramt, ein eigenständiger Studiengang Gymnasiallehramt und ein neu konzipierter Studiengang Sonderpädagogik, allesamt mit einem ausgewogenen Verhältnis von Fachwissenschaft und Fachdidaktik-Pädagogik sowie mit einem zu bestehenden Schulpraxissemester.

Sieht man sich nun die Eckpunkte an, die Grün-Rot für die Reform der Lehrerbildung vorgelegt hat, zeigt sich, dass allem großangelegten Getöse zum Trotz keine wesentliche Veränderung vorgenommen wurde. Die differenzierte Grundstruktur der Lehrämter bleibt erhalten. Dass die Regelstudienzeiten teilweise verlängert wurden, ist grundsätzlich zu begrüßen, allerdings klammert Grün-Rot sich daraus ergebende mögliche Änderungen in der Lehrerbesoldungsordnung aus – unzulässiger Weise, wie wir Liberalen finden. Und auch die von Grün-Rot nun geradezu krampfhaft als Neuerung angegebene Umstellung auf Bachelor und Master ist in den christlich-liberalen Landeslehrerprüfungsordnungen bereits angelegt.

Da Sie nun mit Ihren hochfliegenden Träumen bei der Lehrerausbildung erst einmal gescheitert sind, haben Sie nun, vielleicht aus der Not heraus, eine grundsätzlich richtige Entscheidung getroffen, nämlich die konkrete Ausgestaltung der Lehramtsstudiengänge denen zu überlassen, die sich mit Lehrerausbildung auskennen: den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen selbst. Auch das ist eigentlich nichts Neues, denn die einzelnen Prüfungsordnungen entwickeln die Hochschulen eigenständig, und Kooperationen von PHs und Unis gibt es auch schon längst. Aber hier könnten nun auch in struktureller Hinsicht zukunftsträchtige Modelle entwickelt werden. Wir Liberalen werden diesen Entwicklungsprozess mit Interesse beobachten und darüber wachen, dass dabei Qualität und nicht grünen Weltbildern zur Durchsetzung verholfen wird. Das scheint nach allem, was im Bereich der Lehrerbildung unter Grün-Rot bisher gelaufen ist, bitter nötig.“