• Vorsitzender des Philologenverbands Baden-Württemberg, Bernd Saur, im Gespräch mit Dr. Timm Kern
  • FDP setzt auf Schulfrieden und ein starkes Gymnasium
  • Kritische Bilanz der grün-roten Bildungspolitik

„Es war wichtig, dass nach den Anschlägen von Paris an alle Schulen die Bitte gerichtet wurde, die Ereignisse und Fragen der Schüler zu erörtern. Wir stehen in diesen Tagen an der Seite unserer französischen Freunde.“ In seiner Begrüßung erinnerte der Landtagsabgeordnete Dr. Timm Kern (FDP) an die Terroranschläge von Paris.

Einen hochkarätigen Referenten konnte der FDP-Bildungspolitiker für das Diskussionsforum „Liberaler Treff“ zum Thema „Quo vadis Gymnasium?“ gewinnen. Bernd Saur ist Vorsitzender des baden-württembergischen Philologenverbands und vertritt 8000 Gymnasiallehrer.

Das Thema stieß auf großes Interesse der knapp 30 Gäste im Freudenstädter „Schwanen“. Darunter Stadt- und Kreisräte sowie Vertreter anderer Parteien.

In seinem scharfsinnigen Statement streifte Bernd Saur alle wichtigen Bereiche der baden-württembergischen Bildungspolitik. Dabei übte der Ulmer Englisch- und Französischlehrer eine fundamentale Kritik an der grün-roten Bildungspolitik, die seit 2011 zahlreiche Reformen vorgenommen hat. Die Abschaffung der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung führte laut Umfragen des Philologenverbands zu einem massiven Anstieg des Sitzenbleibens und gefährdeter Versetzungen. „Diese Kinder sind die ersten Verlierer der grün-roten Schulpolitik“, ergänzte Dr. Timm Kern. Über die neu eingeführte Gemeinschaftsschule sagte Saur, dass „diese sich an ihren Ergebnissen messen lassen muss und von vielen Gemeinden nicht aus pädagogischen Gründen, sondern in erster Linie zur Sicherung des Schulstandorts gewählt wurde“.

Für ein starkes Gymnasium forderte Bernd Saur eine Absage an die Vereinheitlichung von Schularten oder Niveauabsenkungen. „Aus meinen Schulerfahrungen in Frankreich und England kann ich sagen, dass ein baden-württembergisches Abitur eine hervorragende Qualifikation für unsere Kinder darstellt“, lobte Saur. Ferner bemängelte er, dass der neue Bildungsplan ein „Optionsbildungsplan“ sei, da er die Möglichkeit eröffne, die traditionellen Schularten inklusive des Gymnasiums im Falle einer Wiederwahl der grün-roten Koalition in die „Eine Schule für alle“ zu überführen.

Zur anhaltenden Diskussion um G8 und G9 sagte Bernd Saur, dass die damalige CDU-Kultusministerin Annette Schavan ihr ursprüngliches Versprechen, wonach die Schulen selbst entscheiden können, nicht eingehalten hat. Saur hält das neunjährige Gymnasium insbesondere für Jungen für eine wichtige Ergänzung und kann sich mit beruflichen oder sozialen Praktika sinnvolle Zusatzangebote vorstellen. In der anschließenden Diskussion forderte der Landtagskandidat der Grünen, Wolf Hoffmann, bei allen politischen Meinungsverschiedenheiten eine grundlegende Dialogbereitschaft ein. In diesem Zusammenhang verwies Landtagsabgeordnete Dr. Timm Kern (FDP) auf sein Schulfriedensangebot vom Herbst 2014, das zwar zu einem Gespräch mit SPD und Grünen, aber letztlich leider nicht zu einem umfassenden Schulfrieden geführt habe, denn die SPD habe keine weiteren Gespräche gewünscht.

Abschließend bekräftigte Philologenchef Bernd Saur, dass es auch in Zukunft starke staatliche Schulangebote braucht. „Teure Privatschulen als Ergebnis verfehlter Schulpolitik wie in Frankreich oder England haben mit sozialer Gerechtigkeit nichts zu tun.“